Premiere des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz beim DLR Rheinpfalz in Neustadt-Mußbach begeistert Familien, Genießer und Fachpublikum. Die Trockenheit bringt Spitzenhonige, aber auch Sorgen um die Natur.
Neustadt an der Weinstraße. „Das erste Honig-Bienen-Landfestival des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz hat alle Erwartungen übertroffen“, freut sich Thomas Hock, Vorsitzender des Imker Landesverbandes Rheinland-Pfalz.
Mit mehr als 3.000 Besucherinnen und Besuchern, so vorsichtige Schätzungen, hat das erste Honig-Bienen-Land-Festival gezeigt, dass das Interesse in der Imkerschaft und der breiten Bevölkerung geweckt wurde. Bei traumhaftem Spätsommerwetter erlebten Familien, Genießer, Imkerinnen und Imker am auf dem Gelände des DLR Rheinpfalz in Neustadt-Mußbach die faszinierende Welt der Bienen, der Imkerei und des Honigs.
Honigprämierung: Ein Jahr der Superlative
Ein Höhepunkt des Festivals war die Honigprämierung, bei der die besten Honige des Landes ausgezeichnet wurden. Sie brachte gleich zwei Rekorde: So viele Imkerinnen und Imker wie nie zuvor reichten ihre Honige ein, und die Zahl der vergebenen Gold- und Silbermedaillen war so hoch wie noch nie. „2026 ist ein Jahr mit außerordentlichen Honigqualitäten“, so der Honig-Obmann Jochen Dörr. Honig-Obfrau Petra Miersch ergänzt: „Grund dafür ist vor allem die Trockenheit. Die sonnige, niederschlagsarme Witterung hat vielerorts zu aromatischen Spitzenhonigen geführt.“ Die Imkerinnen und Imker ernteten hervorragende Frühlingsblütenhonige und exzellente Sommerblütenhonige. Bei der Erntemenge gehen die Honig-Obleute in verschiedenen rheinland-pfälzischen Regionen von einem durchschnittlichen Jahr aus.
Die Freude über die Qualität wird jedoch von einem weinenden Auge begleitet: Die anhaltende Dürre setzt der Natur spürbar zu. Besonders deutlich zeigt sich das bei Sortenhonigen wie dem Edelkastanienhonig. Er konnte, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen geerntet werden. Genau zur Hauptblütezeit schlug die erste Hitzewelle mit knapp 40 Grad zu, und ab etwa 30 Grad fahren Edelkastanien ihre Vegetation und ihre Nektarabgabe deutlich zurück.
Für Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd war es eine besondere Freude, auch als Vize-Kammerpräsident den ausgezeichneten Imkerinnen und Imkern ihre Auszeichnungen mit Kammermünze zu überreichen. Er wertschätzte in seiner Rede besonders die wichtige Aufgabe der Imkerei.
Bienen zum Anfassen und Wissen zum Mitnehmen
Rund um die Prämierung bot das Festival aber auch ein vielfältiges Programm. An zahlreichen Mitmachstationen konnten Kinder mit Schleier, Smoker und Wabe die Bienen hautnah erleben. Bei den Großen waren das Schauschleudern, das Bienen-Wettfliegen und der Blick ins geöffnete Bienenvolk die Publikumsmagneten. Auch konnten sich die unter fachlicher Anleitung Kerzen selbst drehen. Vorträge und Workshops vermittelten Wissen zu Bienengesundheit, Varroa und klimaresilienten Trachtpflanzen. Im Focus vieler Besucherinnen und Besucher stand die Asiatische Hornisse. Hier hatte Bienengesundheits-Obmann Andreas Presuhn Originalnester mitgebracht und stand zu allen Fragen gerne Rede und Antwort. Auch das Bieneninstitut Mayen präsentierte sich auf dem Festival ebenso wie Stände mit Honigverkostung oder das Erkennen von Honigverfälschung. Eine kleine Show-Küche hatte Häppchen mit Käse und Honig zu bieten und ein Blühwiesenstand öffnete den Blick in eine Welt der Blühflächen und informierte über deren Anlagen. Auf dem Bauern- und Imkermarkt zeigten regionale Betriebe, wie eng Bienen, Landwirtschaft und Weinbau miteinander verbunden sind. So gab es neben Obst-und Gemüse, Blumen, Sträucher, einen Brot- und Marmeladestand. Bienenprodukte wurde ebenso angeboten wie Ausrüstung in der Imkerei. Besonders anspruchsvoll das Bienenmobil der Landesforsten. Hier wurden Kinder spielerisch in die spannende Welt der Bienen geführt.
Prominente Gäste und starke Partner
Schirmherrin des Festivals war Christine Schneider, Ministerin für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz. Ihre Schirmherrschaft verlieh dem Festival von Beginn an Strahlkraft und unterstreicht den hohen Stellenwert der Imkerei für Landwirtschaft, Umwelt und den ländlichen Raum. Mit seiner finanziellen Förderung hat das Land einen wichtigen Teil des Festivals mitgetragen. Staatssekretär Michael Mätzig eröffnete das Festival mit einer eindrucksvollen Rede und nahm sich anschließend viel Zeit für einen ausführlichen Rundgang. Vom Blick ins Bienenvolk über das Probieren direkt aus der Honigwabe bis zur Verkostung kulinarischer Leckerbissen lernte er die Imkerei in all ihren Facetten kennen und gab sich dabei als echter Honigliebhaber zu erkennen. Unter den Gästen waren außerdem Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes, und Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. Gastgeber war das DLR Rheinpfalz unter der Leitung von Dr. Andreas Kortekamp.
„Die strahlenden Kinderaugen, die vielen Gespräche und die Begeisterung auf dem ganzen Gelände haben uns gezeigt, wie sehr die Menschen die Bienen und ihren Honig schätzen“, sagt Thomas Hock, Vorsitzender des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz. „Unser herzlicher Dank gilt der Landesregierung, dem DLR und unseren vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die das Festival mit großem Einsatz getragen haben“, so Hock.
Aussteller und Besucher fragten bereits nach einer Fortsetzung. (eri)
Fototexte
Foto 1: Kurze Besprechung vor dem Rundgang mit Honigbär (von links) Saskia Wöhl, Leiterin des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen, Thomas Hock, Vorsitzender Imkerverband Rheinland-Pfalz, Dr. Andreas Kortekamp, Leiter des DLR Rheinpfalz, Staatssekretär Michael Mätzig, Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes, Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz-Süd.
Foto 2: Begrüßung in der vollbesetzten Aula durch Thomas Hock
Foto 3: Staatssekretär Mätzig und Thomas Hock auf dem Rundgang durch die einzelnen Stände
Foto 4: Thorsten Ellmann (rechts) erklärt das Entdeckeln und Schleudern der Waben
Foto 5: Ein Blick in das große Zelt mit einem Teil der vielen Infostände
Foto 6: Fachgespräche bei der Station Vorroaresistenz 33
Foto 7: Alle Vorträge sind sehr gut besucht. Oft müssen die Interessenten stehen
Foto 8: Immer im Mittelpunkt der Info-Stand mit der Vespa Velutina. Hier konnten die Besucher das Schlüpfen der Prinzessinnen live beobachten
Foto 9: Viele Besucher holten sich Infos über das Anlegen von Blühwiesen oder Gärten für die Bestäuberwelt
Foto 10: Valon Mustafi und Saskia Wöhl vom Fachzentrum Bienen und Imkerei mit ihrem Infostand.
Foto 11: Ein Bienenvolk mitten im Zelt mit Freiflugmöglichkeit in die Natur.
Foto 12: Guido Eich beim Bienenwettflug mit interessierten Kindern
Alle Fotos und Text Eckhard Richter




